HOCH-N:Lehre-Forschung-Transfer: das Schnittstellen-Projekt

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Lehre-Forschung-Transfer: das Schnittstellen-Projekt
Der Nexus zwischen Lehre, Forschung und Transfer spielt eine besobnderen Rolle für Nachhaltigekit an Hochschulen. Das LFT-Konzept bietet einen Einstieg und erste Beispiele.
Themenbezug
Forschung, Lehre"Lehre" is not in the list (Forschung, Betrieb, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Transfer, Governance, Digitalisierung, Politik, Ressourcen und Finanzierung, Ethik, ...) of allowed values for the "Thematisch verbunden mit" property., Transfer, Nachhaltigkeit
Zielgruppe
Schnittstellen
Schwierigkeitsgrad
NA

Während der Erprobungsphase haben die Hochschulen Tübingen, Lüneburg, und Eberswalde gemeinsam ein „Lehre-Forschung-Transfer“ (LFT) Projekt konzipiert und durchgeführt. Ziel dabei war, die Schnittstellen sowohl bilateral als auch zwischen allen drei Handlungsfeldern gleichzeitig auszuloten. Wir haben dies sowohl auf theoretisch-konzeptioneller Ebene als auch praktisch – anhand von konkreten Projekten an jeder Hochschule – ausgeführt. Dabei gab es kontinuierlichen Austausch und gegenseitige Unterstützung dabei, die beiden jeweils anderen Leitfäden vor Ort mit anzuwenden und zu erproben. Ziel war, für andere Hochschulen bzw Lehrende, Forschende und außeruniversitäre Akteur*innen nutzbare Erkenntnisse zu gewinnen.


Warum braucht es ein Konzept für Lehre-Forschung-Transfer (LFT) Instrumente?

LFT-Projekt Information
Poster Lehre Forschung Transfer

Hochschulen tragen – wie alle anderen gesellschaftlichen Akteure – Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung (u.a. Beschluss der HRK vom Nov. 2019 „Kultur der Nachhaltigkeit“).

Hochschulen stellen sich dieser Verantwortung im Rahmen ihrer drei Hauptaufgaben Lehre, Forschung und Transfer, wobei nachhaltige Entwicklung weit überwiegend (wenn überhaupt) als zusätzliche Perspektive in diesen drei Aufgaben wahrgenommen wird:

  • Forschung: Hochschulen sind maßgeblich zuständig für das Bereitstellen relevanten Wissens, den Erwerb von Expertise, der Erforschung von Nachhaltigkeitsproblemen, deren Analyse und Erklärung sowie einer systematischen Erarbeiten möglicher Lösungsansätze und darauf aufbauender Politikberatung.
  • Lehre: Hochschulen sind zuständig für die Ausbildung und Bildung von Menschen, die genug Wissen und Kompetenzen erworben haben, um sich den komplexen Problemen als Forscherinnen und Forscher oder in der Praxis in verschiedenen Branchen und Aufgabenfeldern zu stellen und effektiv an Lösungen mitwirken können
  • Transfer: Hochschulen agieren als globale und lokale Akteure, indem Sie Wissen und Expertise aus Forschung und Lehre in die Bearbeitung von realweltlichen Nachhaltigkeitsproblemen und Lösungen zusammen mit Partner*innen aus der (nicht-wissenschaftlichen) Praxis entwickeln und umsetzen.

Dabei stehen jeweils sehr spezifischen Zielgruppen und Aufgaben im Fokus der Hochschule. In der Forschung sind die Adressat*innen andere Forscher*innen, in der Lehre sind es die Studierenden (und indirekt die Organisationen, die Studierende als Arbeitskräfte einstellen) und bei Transfer sind es konkrete Partner*innen für Praxis-Hochschul-Kooperationen. Diese Fokussierung und Spezialisierung orientiert sich jedoch nicht an den Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung, sondern an der institutionellen Struktur von Hochschulen.

Diese Perspektiven wollen wir mittels Lehr-Forschung-Transfer-Projekten aufbrechen, umdrehen und die Bearbeitung von Nachhaltigkeitsproblemen zum Ausgangspunkt der Überlegungen machen. Damit stellen wir die Schnittstellen zwischen Lehre, Forschung und Transfer in den Mittelpunkt unserer Betrachtung.

Unsere These ist es, dass gerade diese Schnittstellen ein besonderes Entwicklungspotenzial aufweisen, um nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Im Sinne eines whole institution approach bzw. eines ganzheitlichen Ansatzes wollen wir die verschiedenen Stärken von Hochschulen in Hinblick auf ihre Beiträge zu nachhaltiger Entwicklung bündeln.

Damit soll ein Handlungs- und Möglichkeitsraum beschrieben werden, der neue Möglichkeiten jenseits von sektoralem Denken eröffnet. Wir wollen herausarbeiten, wie sich aus dem wechselseitigen Bezug zwischen den drei Zugängen neue Möglichkeiten für den Beitrag von Hochschulen zu nachhaltiger Entwicklung ergeben.

Dadurch begründen sich die folgenden Fragestellungen:

  • Wie lassen sich Lehre, Forschung und Transfer sinnvoll aufeinander beziehen?
  • Wie können die Schnittstellen zwischen den drei Achsen/Dimensionen Lehre, Forschung und Transfer konzeptionell beschrieben werden?
  • Wie können die verschiedenen Zielgruppen miteinander in Austausch treten? Wie können sie voneinander profitieren bei der Bearbeitung von Nachhaltigkeitsproblemen?
  • Wie kann der Brückenschlag in einer Art gelingen, die das Zusammenspiel der drei Bereiche berücksichtig ohne eine "one size fits all"-Lösung vorzuschreiben? Denn Bedürfnisse und Kontexte verschiedener Hochschulen, Studierender, Forscherinnen und Forscher sowie Partner*innen aus der Praxis wie Kommunen oder Unternehmen sind vielfältig.
  • Was sind Voraussetzungen für LFT-Projekte als Instrument der Hochschule? Wo liegen deren Grenzen?


Von der Beantwortung dieser Fragen versprechen wir uns folgenden Mehrwert: Durch das "Zusammendenken" der drei Kernaufgaben können Wirkungspotenziale erschlossen werden, die Hochschulen zu einem lebendigeren und wirkungsvolleren Ort machen können, weil die Beziehungen innerhalb der Hochschule und zwischen Hochschule und Praxis neu entlang der Erfordernisse nachhaltiger Entwicklung gedacht und ausgerichtet werden. Dieses Zusammendenken bietet eine Grundlagen für ein gesamtheitliches Verständnis für das Arbeiten und Wirken an einer Hochschule, gleichzeitig wird die Einbettung in einen gesellschaftlichen Kontext gestärkt.

Durch die konzeptionell(-theoretische?) Beschreibung von Lehr-Forschung-Transfer-Projekten als Instrument der Hochschule können Veranstaltungen und Lösungen im Handlungsraum zwischen den drei Achsen verortet werden. Dadurch können mögliche Anknüpfungspunkte identifiziert und nutzbar gemacht werden sowie ein Bewusstsein für die Schnittstellen in LFT-Projekten geschaffen werden. Dies ermöglicht es Ansätze wie bspw. transdisziplinärer Lehrforschungsprojekte systematisch in allen drei Dimensionen zusammenzudenken und weiterzuentwickeln. Und es unterstützt die Vorortung und Planung von integrativ gedachten Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung.

Was ist das Konzept "LFT"?

Wie verstehen wir den LFT-Nexus?

  • LFT ist ein Rahmenwerk zum systematischen Bezug der drei Kernaufgaben der Hochschule – Lehre, Forschung und Transfer (als Praxis-Hochschul-Kooperationen) – aufeinander, um einen wirkungsvollen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten zu können. Das LFT-Konzept dreht damit die Perspektive um und stellt die Frage danach, wie Hochschulen einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten können und wie für die jeweilige Nachhaltigkeitsherausforderungen Ansätze und Stärken aus Lehre, Forschung und Transfer von Hochschulen miteinander kombiniert werden können.
  • LFT beschreibt Schnittstellen zwischen diesen drei Achsen bzw. Dimensionen, um sie für eine gezielte Erweiterung von Instrumenten und Formaten der Hochschule nutzbar machen. Dabei wird der Blick von einzelnen Kernaufgaben wie z.B. Lehre hin auf einen whole institution Ansatz gelenkt, der breiter gedacht wird und ganz unterschiedliche Ausprägungen von Hochschulaktivitäten umfassen kann.
  • LFT versucht also auf einer theoretisch-konzeptionellen Basis Kriterien für die Bezüge der drei Dimensionen abzuleiten und damit ein Rahmenwerk zu schaffen, das es ermöglicht, Positionen im Handlungs- und Möglichkeitsraum zwischen diesen Achsen zu beschreiben. Um das Verhältnis der Achsen zueinander zu klären, können zunächst die bilateralen Schnittstellen betrachtet werden:
    • Transdisziplinäre Forschungsprojekte als Verbindung zwischen Forschung und Transfer
    • Transdisziplinäre Lehrformate als Verbindung zwischen Lehre und Transfer
    • Forschendes Lernen als Verbindung zwischen Forschung und Lehre
  • Das weitergehende Ziel ist es, die drei Achsen/Dimension integriert zu denken. Dadurch wird ein Rahmen geschaffen, in dem sich Projekte und Aktivitäten verorten können. Hierfür können aus den Leitfäden Kriterien und Abstufungen entlang einzelner Achsen übernommen werden, z.B. für BNE die Ambitionsniveaus A, B, C oder für Nachhaltigkeitstransfer die Komplexitätsgrade (Angebotsorientierung, Austausch, Ko-Produktion).
  • Weiterhin können über die drei Achsen gezielt die entsprechenden Akteursgruppen mitgedacht und angesprochen werden: Forschende und transdisziplinäre Forschungspartner*innen aus der Praxis; Lehrende und Studierende; Hochschulangehörige und Praxispartner*innen in Praxis-Hochschul-Kooperationen für eine nachhaltige Entwicklung.

Erstes Fazit und Lessons learned

  1. LFT vollzieht einen Perspektivwechsel von Lehre /Forschung /Transfer als getrennten Aufgabenbereichen der Hochschule hin zu LFT als integrativer, gemeinschaftlicher Ansatz zur Bearbeitung und Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen
  2. LFT betrachtet sowohl Verbindungen einzelner Bereiche, bspw. transdisziplinäre Projekte als Verbindung zwischen Forschung und Transfer, als auch Formen der Integration aller drei Bereiche, bspw. forschendes Lernen mit außeruniversitären Partnern.
  3. LFT legt einen Rahmen mit Kriterien bezüglich einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeitsforschung, und Transfer für Nachhaltige Entwicklung zugrunde, die es ermöglichen, Positionen im Handlungsraum zwischen diesen Achsen zu beschreiben.
  4. Mit LFT können Akteure aus Forschung, Lehre und Transfer gleichermaßen angesprochen werden, um zwischen ihren Bereichen Brücken zu schlagen.

Die LFT-Maßnahmen

Tübingen: Weiterbildung für Lehrende und Weiterentwicklung von Lehrveranstaltungen im Zertifikatsprogramm "Studium Oecologicum"

An der Universität Tübingen wurde das Konzept LFT im Rahmen des Tübinger Studium Oecologicum angewendet. NE-Zertifikatsprogramme sind für Hochschulen ein niedrigschwelliger Weg, Bildung für Nachhaltige Entwicklung in das Angebot der Hochschullehre aufzunehmen und vielen Studierenden ergänzend zu ihrem Fachstudium zugänglich zu machen. Das Tübinger Studium Oecologicum ist ein Nachhaltigkeits-Zertifikatsprogramms, ursprünglich gegründet aus einer Studierenden-Initiative, und bis heute offen für alle Studierenden der Universität. Im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums wurde das Programm analysiert und weiterentwickelt, um den state of the art in BNE so umfassend wie möglich zu integrieren. Dafür wurde 2020 das Bildungskonzept des Studium Oecologicum unter Anwendung der Leitfäden Lehre, Forschung und Transfer überarbeitet. Eien zentralen Beitrag leistete das HochN Lehre-Forschung-Transfer Projekt der Hochschulen Tübingen, Lüneburg, und Eberswalde, mit einer Weiterbildung für die Lehrenden des Zertifikatsprogrammes und daran anschließendem Coaching in der Adaption, Durchführung, und Evaluation der Lehrveranstaltungen. Die Programmentwicklung fand in einem Prozess statt, an dem die Leitung des Studium Oecologicum, das Kompetenzzentrum Nachhaltige Entwicklung und das AP-Lehre HochN beteiligt waren. Wissenschaftlich begleitet wurde der Prozess durch eine Masterarbeit zum Thema. 2020 wurde dieses neue Konzept in zwei Workshops mit den Lehrenden in das aktuelle Lehrangebot integriert. Zusätzlich wurden Prozesse zum partizipativen Qualitätsmanagement für integrative BNE im Zertifikatsprogramm implementiert.

Ziele der Maßnahme:

a) Erprobung des LFT-Konzepts für Zertifikatsprogramme

b) Beitrag zur Weiterentwicklung des Tübinger Nachhaltigkeits-Zertifikats „Studium Oecologicum“


Umsetzung:

  • Befragung der Lehrenden, wie sie ihre Lehrveranstaltung und ihre Lehrkompetenzen in den drei Bereichen verorten
  • Weiterbildung der Lehrenden in nachhaltigkeitsorientierter Forschung, Transfer, und Lehre (BNE) durch die drein HochN-Arbeitspakete (2tägiger Workshop)
  • Coaching der Lehrenden zur Adaption ihrer Lehrveranstaltung, um die Synergien von LFT mehr zu nutzen/ zu integrieren
  • Evaluation der überarbeiteten Lehrkonzepte und Lehrverstaltungen


Zentrale Ergebnisse:

  • Transfer: Lehrende in Zertifikatsprogrammen kommen oft aus außeruniversitären Zusammenhängen; sie bringen „Transfer“ mit! Der Input von HochN-Transfer half, diesen Schwerpunkt systematischer anzugehen.
  • Lehre: da Hochschulen meist keine didaktische Ausbildung voraussetzen, ist eine bewusste  Auseinandersetzung mit BNE deren Kriterien für gute Lehre hilfreich und notwendig.
  • Forschung: muss im Rahmen von Zertifikatsprogrammen und deren zeitlicher Begrenzung eher „klein“ gedacht werden – ist aber durchaus möglich und für Studierende anregend!

Fazit:

  • Die drei Bereiche L-F-T didaktisch aktiv einzubeziehen hilft Lehrenden, ihre Lehrveranstaltung auf eine integrative Bildung für Nachhaltige Entwicklung auszurichten.
  • Kompetenzen für Nachhaltige Entwicklung werden für Studierende umfassender erlernbar.
  • Das Studium Oecologium hat LFT in seine Qualitätskriterien für Lehrveranstaltungen sowie die Weiterbildung seiner Lehrenden aufgenommen.

LFT-Maßnahme HNEE: Modul zum Service Learning "Nachhaltig engagiert"

Lüneburg: Projektseminar "Forschung, Lehre, Transfer - wie kann der Brückenschlag gelingen"

Ziel

Gemeinsam mit Studierenden sollte im Rahmen eines Lehr-Forschungsprojektes der konzeptionelle Raum von L-F-T definiert und Lehrveranstaltungen an der Leuphana in diesem Rahmen verortet werden, um einen Überblick über die etwaige Schwerpunkte und Lücken zu gewinnen.

Vorgehen und Ergebnisse

Anhand der Literatur in den Bereichen Lehre, Forschung, Transfer sowie beispielhaften Ansätzen (Transdisziplinäre Forschung, Service Learning und Forschendes Lernen) auf „Verbindungsachsen“ wurde ein analytischer Rahmen erstellt. Lehrende der Leuphana wurden hinsichtlich Nähe zu den einzelnen Konzepten interviewt. Einzelaspekte der Schwerpunkte und Verbindungen tauchen in vielen Veranstaltungen auf. Der LFT Raum wird selten als ein konsistenter Raum betrachtet.

Fazit

Lehrende, Forschende und Institutionen würden von einer systematischen Reflektion profitieren, die die Kernbereiche L, F und T und deren Verbindungen als Ausgangspunkt hat:, u.a. durch die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses zentraler Ansätze und Konzepte, Erkennen potenzieller Weiterentwicklung von Lehrangeboten & potenzieller Ausrichtung von Hochschul-Curricula

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